Das Thai Tabak-Museum in Bangkok

Auf dem Gelände der Thai Tabak-Manufaktur (TTM) in Bangkok gibt es ein kleines Museum, zusammengestellt von den Mitarbeitern der TTM. Museum ist vielleicht zu hochtrabend, aber es ist ein Raum neben dem Cafe der Arbeiter-Kooperative. Dazu muß man wissen, daß viele Thais (und früher auch ich) in der Kooperative "Zigaretten für Mitarbeiter" kaufen konnten, sobald man der Kooperative beigetreten war. Mitglied der Kooperative konnte man kostenlos werden, und dann gab es die Glimmstengel 10% günstiger, allerdings nur als Stange. Und auch nur die zehn oder zwölf Marken, die von der TTM produziert werden, also keine Marlboro, LM und so.

Misswahl Kandidatin Thailand
Kandidatin für eine Miss-Wahl, von der Zigaretten-Marke SaiFon gesponsort.

Die TTM ist eine der letzten größeren Staatsfirmen Thailands, wohl weil durch das Monopol viel Geld in den Staats-Säckel fließt. Laut TTM Website (engl.) waren das 2016 immer noch 7 Milliarden Baht. Deshalb - also weil Staatsfirma - gibt es auch eine Arbeiter-Kooperative, was so etwas wie einer Gewerkschaft ähnlich ist, und die nebenbei auch Haushaltsartikel günstiger an die Mitarbeiter verkauft (das aber wirklich nur an diese). Ich bin dort jahrelang einmal im Monat vorbeigekommen, um mir 3 Stangen Zigaretten abzuholen. Die 4, 5 Mitarbeiter in der Zigaretten-Verkaufsstelle der Kooperative haben sich jedes Mal riesig gefreut, und es gab meist ein kleines Schwätzchen dazu.
Inzwischen bin ich schon viele Jahre weg vom Rauchen. Aber neulich war ich dort in der Nähe und dachte mir, schauste mal rein. Das Gelände der TTM reicht vom Ende der Sukhumvit Road 4 (Soi Nana Dai) bis zur Rama 4 Road, und das Gebäude der Kooperative ist von der Rama 4 Road kommend gleich das erste links nach der Pforte. Leider habe ich da auch erfahren, daß die TTM in 2 oder 3 Jahren in ein Industriegebiet nördlich von Bangkok umgesiedelt werden soll. Das Gelände in Bangkok ist riesig und die Geier warten schon darauf, dann dort (Eigentums-?) Wohnungen etc. zu bauen. Schade!

Wie gesagt, der Ausdruck „Museum“ ist zu hoch gegriffen, aber es werden einige alte Marken gezeigt und Tabak Blätter als auch ein paar Gerätschaften. Wenn man im Cafe daneben eine Capuchino oder so bestellt, dann hat man Zeit, sich die Exponate anzuschauen, bis das Getränk fertig zubereitet ist. Das Cafe ist auch nur bis 15 Uhr offen.

Thai Zigaretten "Asawin" (Ritter)
ehemalige Marke "Asawin" (Ritter)

Mit zu den ältesten Marken gehört "Asawin", auf Deutsch "Ritter". Auf dem Label sind die vier Waffengattungen (Heer, Marine, Navy und Luftwaffe?) dargestellt, damit den Thais gleich die richtigen Vorbilder gezeigt werden, während sie qualmen. Damals mehr noch als heute galten Uniformträger als Respektsperson und hatten Vorbild-Charakter.
Die Verpackung läßt vermuten, daß die Ritter Zigaretten keinen Filter hatten.

Thai Zigaretten Knight und Moon
Links Marke "Asawin" (Ritter) und rechts Marke "The Moon", beides alte Marken

Auf diesem Bild steht rechts neben den "Rittern" die blaue Verpackung der Marke "Phra Chan" (Mond). Die grüne Verpackung rechts oben sind Phra Chan mit Menthol. In den 80ern war diese Marke ebenfalls verschwunden, aber dann gab es diese Marke in den 2000er Jahren nochmals, in etwas anderer Verpackung, mit und ohne Menthol.

Ebenfalls recht alt sein dürfte "Chopper", was in die Zeit seit Anfang der 60er Jahre passt, als der Premierminister Sarit Thanarat und, seinem Vorbild folgend, viele einfache Thais meinten, Macho sein sei das größte.
Und dazu gehört eben ein Choppper. Oder für die nicht ganz so reichen Thais wenigstens ein Moped.
Und, logisch, die entsprechenden Glimmstengel!

Thai Zigaretten Chopper
Die ehemalige Marke für Motorradfahrer und möchtegern Starke Jungs?

Das war zwar etwas unhandlich einzustecken, aber dafür sehr haltbar. Nämlich Büchsen mit 50 Stück Zigaretten wie die hier abgebildeten "Royal Standard". Zugegeben, an der Banderole der Büchse hat der Zahn der Zeit kräftig genagt, aber der Markennamen ist noch erkennbar. Auf meine Frage, ob da nicht loser Tabak drinenn war, wurde mir dagegen bestätigt, daß es diese Marke nicht als losen Tabak gab, nur als fertige Glimmstengel.
Oben drauf eine Fünfer-Packung der Royal Standard, aber wohl eher aus späteren Tagen. Heute gibt es Zigaretten nur noch in 20er Packungen. "Loser Verkauf" ist verboten, aber wer sucht, der findet solchen Einzel-Verkauf recht schnell, etwa in der Nähe von Baustellen und in Krimskrams-Läden.

Royal Standard 50er Dose

Cat Brand Tabak, Thailand

Dieses Bild ist nicht aus dem Tabak-Museum, sondern aus einem Restaurant, das als "old style Thai" eingerichtet ist und einem Bekannten gehört. Neben vielen anderen alten Sachen hat er eben auch diese Büchsen mit "Cat Brand", losem Tabak, sowohl normal als auch mit Menthol. Bloß nicht zu genau hinschauen, der Deckel rostet schon. Nach all den Jahren kein Wunder. Der Tabak, so noch welcher drinnen ist, dürfte auch nicht mehr geniessbar sein.

Thai Zigaretten Asian Games 1978
Thai Zigaretten Asian Games: mehrere Motive

Zeitlich gut einordnen lassen sich die "Asiangames" von 1978. Aus heutiger Sicht etwas schwer, Sport und Zigaretten unter einen Hut zu bringen, aber vielleicht steckte da auch ein dezenter Hinweis der Regierung an die Staatsbetriebe dahinter, gefälligst Werbung für das Prestige-Projekt der Asian-Games zu machen. Immerhin waren die Militär knapp 2 Jahre vorher durch einen blutigen Putsch zurück an die Macht gekommen. Da war so etwas wie diese internationale Sportveranstaltung sicherlich zur Imagepflege wichtig.
Witzig, daß es von der Marke verschiedene Packungsbilder gab, die einzelne Sportarten zeigten. Hiervon gab es scheinbar nur Filterzigaretten und eine Menthol Filter Version.

Zigaretten Asian_Games_78
Für den Sport-Enthusiasten natürlich eine Menthol- Kippe aus der Reihe der Asean Games 1978
Thai Zigarette ASIAN GAMES 1978
Auswahl verschiedener Verpackungen: Sport und Zigaretten ging mal zusammen

Uralt ist auch die Marke Samit, die es als „Samit San“ ("san" = kurz, d.h. ohne Filter) und Samit 14 (mit Filter) gab, und das seit mindestens den 80er Jahren. Die Packung kostete anfangs nur 11 Baht (die kurzen Samit), und die Marke wurde verschiedentlich neu gestaltet, meist anläßlich von Preiserhöhungen. Die Samit 14 wurde später zur Samit 90, die kurze Version zur Samit 33, wie sie hier ausgestellt ist. Ein paar Jahre nach der Jahrtausendwende wurde diese Marke eingestellt. Vielleicht vergleichbar mit der deutschen Reval. Wurde zum Schluß fast nur noch "auf dem Lande" geraucht. Und von mir...

Thai Zigaretten Samit San
Samit San, oder die kurzen Samit, gab es bis vor ca 10 Jahren
Zigaretten SMS und SaiFon
Noch zu kaufen: mitte links SMS in normal (rot) und Menthol (grün), unten Sai Fon Menthol

Schon ewig gibt es "SaiFon", was zwar mit "Falling Rain" auf der Packung übersetzt wird, aber eigentlich ist SaiFon eher "Faden-Regen", oder (wie in Salzburg bekannt) "Schnürl-Regen". Keine Ahnung, wer und vor allem wie man auf diesen Namen gekommen ist. SaiFon ist die Menthol-Zigarette des kleinen Mannes, und die Verpackung hat sich nie verändert. Auf dem Dreier-Bild ist Sai Fon rechts unten zu sehen. Links davon ist SMS in normal (rot) und Menthol (grün), die gibt es erst seit ein paar Jahren. Das sind aber ebenfalls Low-Budget-Zigaretten, wie auch KledThong oben recht auf dem Bild, die vor ein paar Jahren vom Markt genommen wurden. Dabei ist SMS eher eine leichte Zigarette, während KledThong ein echter Rachenputzer war.

Thai ZIgaretten Blue_Wave

Hier mal Neu und Alt nebeneinander. Links " Blue Wave", die neueste "Creation" der Tabak-Manufaktur. Und rechts die Marke "Battle-Gong", die so alt ist, daß ich die nie in freier Wildbahn gesehen habe. Nach dem Namen zu urteilen hat die auch tierisch reingehauen...

Thai Zigeretten Battle-Gong

Interessant, daß die TTM mal Werbung bei einem Schönheits-Wettbewerb gemacht hat und eine Kandidatin unterstützt hat, "Miss SaiFon" (siehe Photo ganz oben). Aber vielleicht war die Bewerberin auch eine Angestellte der TTM... Leider konnte ich nicht feststellen, wie erfolgreich die Dame war.

Hier unten sind noch vier Titelblätter der Zeitschrift "Ja Sub" ("Tabak"), die beiden rechts sind erkennbar aus dem Jahr 1951. Leider konnte mir keiner erklären, ob das "nur" Werbe-Models waren oder vielleicht auch bekannte Persönlichkeiten, etwa Schauspielerinnen, die sich als Raucherinnen offenbart haben. Den handschriftlichen Text auf einigen der Bilder kann ich allerdings nicht entziffern.

Titelblätter der Zeitschrift "Ja Sub"
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Titelblätter der Zeitschrift
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Auf dem letzten Photo habe ich Werbe-Plakate, links auf blauem und roten Hintergrund Werbung mit alten KrongThip Packungen, darunter eine ebenso alte Packung Samit ohne Filter. Rechts davon unten eine noch existierende Packung "Royal Standard" (in weiß/rot) und ganz rechts außen eine Schachtel KledThong.
Ganz oben über den Postern sind links und rechts Tabaksorten ausgestellt, die ich allerdings zwar lesen aber nicht verstehen kann, so sorry...

alte Zigaretten-Werbe-Poster
alte Zigaretten-Werbe-Poster und oben 2 Tabaksorten in Tüten

Wie sich die Zeiten geändert haben: Damals wurde überall geraucht, damals war Rauchen ein Teil der Selbstdarstellung, wenn auch nur für Männer. Heute ist das Rauchen an vielen Orten verboten und man riskiert erhebliche Geldbußen, wenn man z.B. an bestimmten Strandabschnitten rauchend erwischt wird. Und wo früher eine Schachtel um die 10 Baht gekostet hat, kann man inzwischen bis zu 100 Baht für eine Schachtel hinlegen, umgerechnet 2,60 Euro. Importierte Zigaretten a la Marlboro etc. sind aufgrund von Import-Steuer noch ein Stück weit teurer.
Und vielleicht, weil der Staat da keine Steuer dran verdient sind auch E-Zigaretten in Thailand strikt verboten (worden). Wer bei der Einfuhr oder dem Genuß von E-Zigaretten erwischt wird, riskiert eine 20.000 Baht Strafe, die allerdings zumeist in den Taschen des jeweiligen Polizisten verschwinden dürfte. Speziell, wenn es keine Quittung über die Strafe gibt.

Ich selbst habe viele Jahrzehnte geraucht, bin aber froh, daß ich seit ein paar Jahren davon weg bin. Nichts desto trotz, die Leute in der Kooperative der Tabak-Manufaktur waren immer einen Besuch wert.


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(c) Letzte Änderung Januar 2018

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