Ein paar weitere Tipps zur Thai Kultur:

Was man tun oder lassen sollte und
warum Dinge so und nicht anders sind
(im Buch sind natürlich noch viel, viel mehr…)

Tabus zum Beachten:

*  Ein bekanntes Tabu in Thailand ist, jemanden am Kopf zu berühren, sofern man nicht Familie oder wirklich eng befreundet ist. Generell sind körperliche Kontakte nicht gerne gesehen und die meisten Thais empfunden es als richtiggehend unangenehm, von Fremden oder auch Bekannten berührt/angefasst zu werden. Die Grenzen sind da etwas fließend, aber es ist besser, lieber etwas Abstand zu bewahren. Auch ein freundschaftlicher Klapps auf die Schulter kann schon zuviel sein, speziell, wenn der Gegenüber vom anderen Geschlecht ist!
*  Was in Thailand (und wohl auch in anderen asiatischen Ländern) ebenfalls absolut zu vermeiden ist, das ist, jemandem etwas zuwerfen. In Deutschland kein Problem, in Thailand aber schon. Das ist so, wie wenn der Gegenüber ein Hund ist, dem man einen Stecken zuwirft. Mit “zuwerfen” macht man sich also Feinde, keine Freunde!
*  Wenn Sie durch eine Türe treten, bitte treten Sie niemals auf die Türschwelle. Nach Ansicht der Thais wohnt darin ein Geist, der es einem krumm nimmt, wenn man ihm auf den Kopf tritt. Das würden Sie ja wohl auch, oder?
* Händeklatschen ist nicht! Wer in Thailand in die Hände klatscht, etwa um die Aufmerksamkeit der Bedienung zu erhaschen, der gilt als Voll-Proll. Tut man auch dann nicht, wenn die Bedienung gerade wieder lieber auf ihrem Handy spielt als sich um die Gäste zu kümmern. Ein brennendes Feuerzeug hochhalten geht da schon eher (vorzugsweise abends/nachts), oder besser noch (halblaut!) “Nong, Nong” rufen. Und nicht vergessen, schlechter Service wird beim Trinkgeld “belohnt”.

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Statt “einmal ist kein Mal” gilt hier: “Einmal ist immer”!

Auch daran muß man sich erst gewöhnen. Wenn man in Thailand etwas freiwillig macht, eine gemeinsame Zeche oder Essen bezahlt oder einem Hilfsbedürftigen mit ein paar Baht unter die Arme greift, oder… dann wird erwartet, daß man das immer wieder so macht. Deshalb sollte man das (vorher) klar machen, daß dieses Mal eine Ausnahme ist und eben nicht die Regel. Das Geld anderer ausgeben, das ist sicherlich eine weltweite Fertigkeit. In Thailand (und anderen Länder Südostasiens) kommt aber noch dazu, daß man meist als Ausländer per se einen höheren Status hat und daher viel eher erwartet wird, daß man darum (finanziell) “hilft”. Also einfach vorher mit etwas Taktgefühl klar machen, wie man sich das vorstellt. Sollte doch zu schaffen sein.

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Mitgegangen, mitgefangen?

Klingt gefährlich, ist es aber nicht unbedingt. Die Thais denken in Gruppen und nicht wie wir von verschiedenen Individuen. Das heisst, in Thailand wird man dafür mit verantwortlich gemacht, was die anderen in einer Gruppe machen. Also, wenn man etwa zusammen essen geht und einer fällt (im Suff oder sonstwie) aus der Rolle, dann färbt das auch auf die anderen Mit-Esser/Mit-Trinker ab. Im Englischen heißt das “guilty by association”. Einer baut Mist, alle verlieren ihr Gesicht. Deshalb wird jeder Thai versuchen, sich konform zu verhalten, damit er nicht schuld daran ist, daß die ganze Gruppe schlecht da steht.
Das geht aber noch weiter: Wer jemanden vorstellt, übernimmt quasi die Garantie für die neue Person. Das kann auch heißen, daß man erwartet, dass etwa die Rechnung dieser neuen Person mit beglichen wird, wenn diese das “vergisst”. Das Ganze ist wie ein Rückversicherungs-System, und für die Thais hat es sich bewährt. Wenn man das weiß und sich danach richtet, dann kann einem eigentlich nicht viel passieren. Nur wissen muss man das eben.

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Montags geht nix:

Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen, daß montags praktisch keine „fahrenden Händler“ unterwegs sind. Das kommt nicht von ungefähr, denn früher waren die wirklich jeden Tag unterwegs. Dann fand ein Bangkoker Oberbürgermeister („Gouverneur“), daß man diese Leute mit Druck dazu bringen sollte, auch mal einen Tag in der Woche Pause zu machen. Eine Art Zwangsurlaub, aber sicher auch mit dem Hintergedanken, daß die Stadtreinigung eh schon einen Tag frei hat und dann am darauf folgenden Tag doppelt so viel Dreck wegmachen müsse. Warum auch immer, erst war der Mittwoch der freie Tag, dann hat man sich auf den Montag als geeigneter geeinigt. Inzwischen ist das wohl in ganz Thailand die Norm. Wenn Sie also an einem Montag den Obst- oder einen anderen Händler mit seinem Push-Cart vermissen, dann wissen Sie jetzt auch warum. Denn wer doch verkauft und erwischt wird, der muß Strafe zahlen. Ausnahme: Wer auf nicht-öffentlichem Grund steht, dem kann das Ordnungsamt nichts wollen. Und auf Nachfrage: Das ist scheinbar doch nicht in ganz Thailand so, denn in Chiang Mai beispielsweise soll das unbekannt sein. Also montags nach Chiang Mai?

Alles Huhn oder was?

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Das Ding mit den Disco-Kugeln

Erinnern Sie sich noch an die “Disco-Kugeln” aus deutschen Diskotheken vor vielen Jahren? Die mit Drehen und einem Strahler darauf, der dann in viele kleine Strahlen reflektiert wird? Die gibt es in Thailand auch noch oft, allerdings nicht in Discotheken. Damit hat es nämlich eine ganz andere Bewandtnis:
Der Reihe nach: Da es in Thailand noch viele böse Geister gibt, gegen die man sich schützen möchte, gibt es ein paar Tricks, besagte Geister zu überlisten. Darunter fällt etwa, daß Geister nur geradeaus und nicht um die Ecke schweben können, weshalb etwa chinesische Tempel stets eine Wand direkt hinter der Eingangstüre haben. Da ist dann für die Geister Endstation, während wir Menschen links und rechts um diese Wand herumgehen können. Viel mehr verbreitet ist aber, den Geistern ihre eigene Hässlichkeit vor Augen zu führen. Denn alle bösen ( und in Thailand gibt es keine anderen, leider!) Geister sind furchtbar hässlich, das ist Mal ein Fakt. Wenn also so ein Geist sich selbst sieht, erschrickt er so sehr, daß er umdreht und Fersengeld gibt. Um daher den Geistern (wie gesagt, alle böse!) ihre hässliche Fratze zu zeigen, braucht es einen Spiegel. Und da man nicht weiß, auf welchem Weg und in welchem Winkel der Geist einzudringen versucht, hängt man am Eingang oder Durchgang, genau, eine Disko-Kugel auf. Egal woher der Geist schaut, in einem der Spiegelstücke der Kugel sieht er sich selbst, erschrickt und verduftet. Problem gelöst und jeder kann ruhig schlafen (auch im Office).

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 Abteilung “Bitte keine Kritik!”

Wie sie vielleicht wissen, ist in Thailand seit Mai 2014 eine Regierung an der Macht, die ich als diktatorische Miliär-Demokratie bezeichnen möchte. Und ehe Sie mich jetzt wegen dieses Un-Worts geißeln, versuchen Sie mal das Spagat, einen bier-ernsten Komiss-Schädel zu kritisieren, ohne daß der das übel nimmt. Aber eigentlich wollte ich Ihnen nur ans Herz legen, egal ob Auswanderer, Langzeit- oder Kurzurlauber, daß Sie sich hüten, irgendeine Kritik am Land und seinen Militärs zu üben. Das können Sie gerne in Deutschland tun, nur dann vielleicht nicht mit Name und Paßnummer unterzeichnen. Die Militärs sind zu 100 % humorlos und reagieren auf jede Art von Kritik allerhöchst allergisch. Böse Zungen bringen das mit mangelndem Selbstvertrauen in Verbindung, aber das sind wie gesagt “böse Zungen”.

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Thema Geschichte: Siam Society

Wer sich tiefergehend für die Vergangenheit Thailands bzw. Siams (vor A.D. 1932) interessiert, für den dürfte die Siam Society ein lohnenswertes Ziel sein. Voraussetzung ist leider, die englische Sprache zu können, denn das ist die Geschäftssprache der Siam Society. Aber die Organisation ist praktisch die nicht-thailändische wissenschaftliche Abteilung zur Erforschung von Herkunft, Politik, Sprache etc. Thailands.
Zu finden ist die Siam Society im Internet unter www.siam-society.org ,
Tel.: 02-661 6470 – 77, und hier: 131 Asoke Montri Road (Sukhumvit 21), Bangkok 10110, Thailand, das ist leicht von der BTS und MRT Station Asoke zu Fuß zu erreichen (linke Seite der Straße, bevor es enger wird).
Teil der Society ist eine Bibliothek und ein Buchladen, die beide hochinteressante Titel haben,- wenn man sich für Thailand interessiert. Da es eine “Society” ist, sollte man anständig angezogen hingehen, nicht im Strand-Schlabber-Look… Und auch wenn Englisch gesprochen wird, es gibt auch eine ganze Reihe deutscher Mitglieder.

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Friseure: Mittwochs geschlossen

Im Gegensatz zu Deutschland, wo die meisten Friseure am Montag geschlossen haben, weil da der Umsatz am geringsten wäre, haben die Friseure in Thailand am Mittwoch geschlossen.
Warum? Das liegt an einer Tragödie aus der Vergangenheit:
Mehrere hundert Jahre zurück ist eine königliche Prinzessin mit ihrem Boot auf einem größeren Teich in Bang-Pa-In verunglückt und ins Wasser gefallen,- so heißt es. Da die Prinzessin nicht schwimmen konnte, war sie dem Untergang geweiht, wenn nicht ein Friseur des Weges gekommen wäre, der ihre Rufe hörte, in den Teich sprang und die Prinzessin rettete. Der König dankte dem Retter, und ließ ihn anschließend enthaupten. Warum?
Die höfischen Vorschriften besagen bis heute, daß ein gewöhnlicher Mensch nicht die Haut eines Mitglieds der königlichen Familie berühren darf. Deshalb tragen auch heute noch alle höfischen Angestellten weiße Handschuhe. Der Friseur aber hatte – notwendigerweise – die Haut der Prinzessin berühren müssen, als er sie rettete. Darum mußte er dem höfischen Protokoll entsprechend enthauptet werden. Ein Fall von Recht vor Gnade.
Diese Tragödie geschah an einem Mittwoch. Und darum bleiben in Thailand mittwochs fast alle Friseurgeschäfte geschlossen.
Ob die Geschichte sich genau so zugetragen hat? So jedenfalls wurde sie mir vor vielen Jahren erzählt…

Gemüse am Weg
mobiler Markt auf dem Gehweg

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Thema Thai Kultur:

Im Gegensatz zu Deutschland (und allen deutschsprachigen Gegenden!) sind die Thais oft nicht darauf aus, klare Verhältnisse zu haben, sondern Dinge lieber ungesagt und in der Schwebe zu halten. Beispiel: Ein ehemaliger Chef kündigte an, nach Fertigstellung eines Projektes sei Schluss für mich. Als das Projekt fertig war, habe ich es tunlichst unterlassen, den Chef darauf nochmals anzusprechen. Das Ergebnis: Die Kündigung war wohl zurückgenommen worden. Hätte ich auf „Klärung“ bestanden, hätte ich wohl einen neuen Job suchen müssen. Oder: In einem Unfall sollen Sie eine Reparatur bezahlen, aber auch nach längerer Zeit meldet sich die Gegenseite nicht, um den Betrag einzufordern. Umgekehrt funktioniert das allerdings auch: Sie haben jemandem einen (hoffentlich verschmerzbaren, kleinen) Betrag Geld geliehen und ohne Ihr ständiges Drängen wird die Rückzahlung oder Ratenzahlung ganz geflissentlich vergessen… Denn wenn Sie nicht Dampf machen, dann ist es ja wohl auch nicht so dringend. Allerdings: Ermahnung bitte höflich, sonst könnte Ihr Schuldner ausrasten, denn Druck vertragen die Thais nur sehr wenig. Und glauben Sie bloß nicht, dass dieses Verhalten nur auf Thais beschränkt ist: manche Ausländer, die schon länger in Thailand leben, haben sich diese Unsitte auch angewöhnt, also das praktische „Vergessen“ von Schulden.

Für die Thais werden viele Dinge auf diese Art des „Vergessens“ gelöst, aber nur, wenn man auch nicht mehr daran rührt… Ohne Nachfragen kann man sein Gesicht wahren, weil man etwas vielleicht einfach „vergessen“ hat.

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(Aktueller Stand Februar 2019)

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(beide Bilder von Paul Martini)


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