Für wie blöd halten die uns denn?

Also da habe ich einen Ratgeber geschrieben, eben dieses E-Buch „Als Senior in Thailand“, einen Text, der normalerweise recht langweilig zu lesen ist, denn bei Ratgebern geht es meistens nach dem Schema „erst mußt Du dies machen, dann das machen, und hinterher jenes machen.“ Ich habe mich bemüht, den Inhalt in kurzweiliger Art zu schreiben, damit man die Lust am Weiterlesen behält. Daß ich inzwischen viele hundert Käufer meines Ratgebers habe, scheint mir ja recht zu geben.

Und dann mache ich eine Webseite für das Buch, mit zusätzlichen Informationen rund um das Buch und rund um das Thema des Ratgebers. Damit die Webseite alsdann auch gefunden wird, muß man die Seite so gestalten, wie diese Firma – nennen wir sie mal „Kugel“ – das will, denn Firma Kugel ist der Platzhirsch (ca 80-90 %) unter den Suchmaschinen. Aber es ist absoluter Quatsch, was denen so vorschwebt. Die haben furchtbar komplizierte Formeln entwickelt, damit keiner durchblickt, warum er so weit oben oder – eher wahrscheinlich – so weit unten in der Liste auftaucht. Und natürlich als Existensberechtigung für eine ganze Menge junger Mathematiker, die jung-dynamisch von der Firma Kugel ihre Gehälter beziehen. Aber zu mehr scheinen diese „Algorithmus“ genannten Formeln nicht zu taugen, wenn man sich genauer anschaut, welche Kriterien die Bewertung durch den Algorithmus beeinflussen.

Beispiel: Eine Seite sollte eine bestimmte Anzahl an Wörtern haben. Nur, zu viele Wörter ergeben Abstriche, zu wenige aber auch. Frage also: Ist wirklich jedes Thema innerhalb dieser willkürlich erscheinenden Grenzen sinnvoll zu beschreiben? Und wenn Webseiten der Werbung für ein Produkt dienen sollen, muß man dann den Werbe-Effekt fallen lassen, weil „Kugel“ mehr Text auf der Seite haben will? Weil man sonst nie nach oben kommt? Erfahrungsgemäß sind Werbe-Botschaften kurz und prägnant, also mit weniger als der von der Firma Kugel geforderter Mindest-Anzahl von Wörtern.

Noch ein Beispiel: Firmen wie „Kugel“ etc. bewerten eine Seite danach, ob Inhalt, Titel und Stichwörter möglichst deckungsgleich sind. Was soll das denn? Das ist doch absolut schwachsinnig.

Vielleicht am besten ein Text wie:

Diese Seite hat nur Schwachsinn zum Inhalt“,

dazu der Titel der Seite:

Diese Seite hat nur Schwachsinn zum Inhalt“,

Stichwörter („Metatags“):

diese, seite, hat, nur, schwachsinn, zum, inhalt“.

Das gibt dann wohl die maximale Punktzahl bei der Suchmaschine. In Bezug auf Idiotie allerdings auch.

Aktuell: Bei meiner Seite wird festgestellt, daß diese Ausdrücke öfters vorkommen:
Thailand (9 Mal), leser (5), tipps (4), gelesen (4), buch (4), senioren (3), paar (3), auflage (3), senior (3). Alles zusammen nennt sich das dann eine „Keyword Cloud“.
Dann wird kontrolliert, ob diese Begriffe auch überall vorkommen, im Seiten-Titel, in der Seiten-Kurzbeschreibung und in der Seiten-Überschrift (erkennbar an der größten Schriftgröße „H1“).

„leser“, „gelesen“ und „buch“ kommen da allerdings nirgendwo drin vor, also… Abzüge!

Bei den Begriffen aus zwei Wörtern, wird dann kontrolliert, ob diese Kombinationen in Seiten-Titel, -Kurzbeschreibung und Überschrift vorkommen:
[details nächsten], [“ leser], [Nützliche Tipps] oder auch [usa schweiz].
Also mal ganz ehrlich: Wie kann man nur diese Ausdrücke nicht im Seiten-Titel unterbringen können? Ergo wieder Abzüge!

Dann hat die Seite meine E-Mail Adresse als Graphik (hilft Spam zu verhindern), aber ich soll dazu noch ein extra Antwort-Formular einbauen! Warum? Keine Ahnung! Wer auf die Graphik mit meiner E-Mail Adresse klickt, dessen E-Mail Programm geht automatisch auf, mit meiner Adresse als Ziel. Wieviel einfacher gehts denn noch? Wozu dann noch ein extra Formular? Aber… kein Formular = Ranking-Abzüge.

Und dann kommt noch etwas, was die Bayern als „hinterfotzig“ bezeichnen: Wenn nicht „Kugel Analytik“ für die Seite installiert wurde, dann gibt es auch gleich wieder Abzüge. Nun ist generell erst Mal nichts dagegen einzuwenden, wenn man das Werkzeug zur Hand hat, um zu messen, wie gut und wie beliebt eine Seite ist. Das große ABER ist allerdings, daß diese Daten dann automatisch und unentgeltlich der Firma Kugel zur Verfügung stehen, und da gibt es kein Ausbüchsen. „Kugel“ belohnt also mit einem besseren „Page Rank“ (Platzierung bei Suchergebnissen), wenn man denen brav seine Daten überläßt. Denn die Firma Kugel lebt primär von diesen Daten. Von allen! Von allen Daten, aber auch den Daten von allen von uns! Ohne uns gäbe es wohl all diese Internet-Milliardäre nicht. Vor allem nicht ohne diese unfreiwillig überlassenen Daten!

Was bleibt? Entweder man schwimmt mit dem Strom, dem Schicksal ergeben, wie es die meisten wohl machen. Oder man wehrt sich gegen die Leute und Firmen, die einem vorschreiben und vorgeben wollen, wie man sein Leben zu führen hat. Und der erste Schritt dahin ist aufzuzeigen, was für ein Unsinn im Namen von Profit verzapft und was mit uns getrieben wird.
Manche behaupten doch glatt fälschlicherweise, es ginge um „Arbeitsplätze“.

Ja, klar doch, und morgen ist Weihnachten!

Stefan Modro

Ganz schön blöd
Ganz schön blöd…! Kein Thai wuerde „oben ohne“ rumlaufen!

P.S. nur zur Information:
Die Seiten-Beschreibung dieser Seite ist: „Ein bisschen laut gedacht: Der Schwachsinn, den uns Google und Co. aufdrängen… Im Namen besserer Such-Platzierungen“
die Metatags/Stichwörter sind: „google, idiotie, schwachsinn, profit, quatsch, unsinn“, und als
Seiten-Titel habe ich gewählt: „Für wie blöd halten die uns?“
Mal schauen, was das für ein Ranking bei Google und Co. gibt…

(Ende Mai 2016 nachgeschaut: „Für wie blöd halten die uns denn?“ ist bei Google auf Platz 3. Wohl mangels Konkurrenz… Ende Oktober 2016…: Tada! Platz Eins. Dabei wollte ich mit dem Buch auf Platz 1)

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und hier geht’s weiter zum nächsten Aufreger:  Echt krass !

 


 

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