"Double pricing" oder eine
unschöne Seite Thailands

Ein paar Worte zu einem – wie ich finde - unschönen Aspekt Thailands, der freilich nicht auf Thailand beschränkt ist: das Unwesen der zweierlei Preise für die gleiche Ware oder Dienstleistung.

Ganz generell muß einem bewußt sein, daß gleicher Preis für gleiche Leistung (Ware oder Dienstleistung) genauso ein Grundpfeiler unserer Wirtschaftsordnung ist, wie auch gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Logisch, wenn man Lohn mit Preis und Arbeit mit Dienstleistung gleichsetzt. In früheren Jahrhunderten, als es etwa noch Feudalismus gab, galt das nicht.

Meist werden zur Verteidigung der zweierlei Preise (englisch: double pricing) eine Reihe von Argumenten vorgebracht.

  • Wer reicher ist, der kann auch mehr zahlen.
  • Urlauber zahlen keine Steuern (falsch!) und benutzen staatliche Leistungen, etwa Nationalparks, die mit Steuergeldern unterhalten werden.
  • Touristen kommen kurz, tragen aber nichts zur Erhaltung der Umwelt und zur Infrastruktur bei.
  • Niemand wird gezwungen, diese Preise zu zahlen. Letztlich kann der Tourist auch zu Hause bleiben.

Es mag auch noch weitere Argumente geben.

Aber genauer betrachtet sind diese Argumente nicht stichhaltig. Denn dann müßte auch ein Auto mehr kosten, wenn man es sich leisten kann, direkt zu bezahlen, als wenn man es sich nicht leisten kann,- und deswegen den Preis des Autos in Kreditraten abstottert. Es ist aber anders herum, wer abstottert, der zahlt mehr.
Wer freiwillig mehr zahlen möchte, der kann das, aber dafür gibt es keinen Zwang. Wenn mehrere Leute essen gehen, dann ist es oft so, daß einer alle einlädt, also für alle bezahlt. Die Rechnung muß aber hinterher die gleiche sein, egal ob der Zahlende Thai oder Ausländer ist.
Welcher Deutsche, Amerikaner, Franzose etc. würde es akzeptieren mehr zu zahlen, bloß weil er erkennbar reicher daher kommt als andere? Keiner! Und auch kein Thai würde das machen! Vor einiger Zeit gab es einen riesigen Aufruhr, der bis in die Hauptsendezeit der Thai Fernsehkanäle reichte. Eine Thai war irrtümlich für eine Chinesin gehalten worden und sollte die höheren Preise bezahlen! Unerhört! Übrigens, wo es nach Nationalitäten geht, da bekommen Japaner die höchsten Preise ab.

Zu behaupten, Ausländer zahlten keine Steuern in Thailand, ist ebenfalls Humbug. Über 50 % des thailändischen Steueraufkommens kommt von der Mehrwertsteuer, und die zahlt jeder, der Waren oder Dienstleistungen bezahlt (Gut, es gibt immer noch Ausnahmen). Wer in Thailand raucht, Alkohol trinkt, Benzin verbraucht, der zahlt auch Steuern bzw. Abgaben an den Staat. Die klassische Einkommenssteuer ist relativ gering und in der Summe vergleichbar klein.

Müllkippe aufg Koh Larn, vor Pattaya
Müllkippe aufg Koh Larn, vor Pattaya

Touristen machen Umwelt und Infrastruktur kaputt durch die Übernutzung? Es gibt immer noch mehr Thai Touristen im Lande als ausländische, und die Thais, so sorry, geben nichts auf Umweltschutz und dergleichen, wenn sie nicht gerade in der eigenen Umgebung sind. Es wird immer noch illegal gerodet, gejagt, gecampt und massig Abfall hinterlassen, in einer Größenordnung, die etwa Europäern fremd sein dürfte. Und je reicher, desto unverblümter gehen die Thais dabei vor. Der Gedanke von Umweltschutz fängt erst gaaaanz langsam an, unter Thais Fuß zu fassen, etwa, wenn verdreckte Strände ihre Tourismus-Einnahmen reduzieren.

Und letztlich kann natürlich jeder Tourist zu Hause bleiben. Dann fällt aber ein substantieller Teil der Arbeitsplätze und der Einnahmen in Thailand weg. Aber darauf will niemand in Thailand verzichten. Wenn der Tourismus von heute auf morgen ausbliebe, dann wären Hunderttausende - vielleicht Millionen – Thais arbeitslos, tausende Hotels leer,  Wohnungspreise („Condos“) würden in den Keller fallen, Banken zusammenkrachen usw., da Tourismus ca 15 % der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht. Bereits jetzt hat der Tourismus in Thailand merklich nachgelassen und alle sind am Jammern.
Soll da der Rest Touristen wirklich auch noch wegbleiben?

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